Die Jazzbilder

Als die Amerikaner 1945 nach Deutschland kamen, brachten sie uns ausgehungerten Kindern und Jugendlichen,ich war damals gerade sieben geworden, nicht nur Kaugummi, Schokolade, Schulspeisung und Carepakete, sondern auch die vom Nazisystem verbotene Schlager-Tanz-und Jazzmusik mit. Ich hatte davon natürlich keine Ahnung, bekam aber an Hand von Schallplatten, die meine ältere Schwester ergattert hatte (US-Soldaten, Schwarzmarkt und Tausch) und dem Soldatensender AFN (American Forces Networks) viel von dieser Musik mit. Später als Gymnasiast hörten wir außer dem AFN auch Voice of America, insbesondere die abendliche Swingjazzstunde von 21 bis 22 Uhr. Ich wurde Jazzfan, fing an Konzerte zu besuchen und hatte auch meine Kamera dabei, denn ich habe frühzeitig angefangen zu photographieren. Das war in den fünfziger Jahren als man noch frei vor der Bühne stehen und photographieren konnte, ja, sogar hinter die Bühne gehen und die großen Jazzer treffen konnte. Ich machte das unauffällig, denn schon damals pflegte ich die ”available light” Technik, also kein Blitz. Meine Sammlung an Jazzbildern erhebt keinen Anspruch an Vollständigkeit; ich konnte mir nicht alle Konzerte leisten, aber es kam dann im Laufe der Zeit einiges zusammen.

Reiner Frommer